Archiv der Kategorie Meine Meinung

Von Weißkopf-Seeadlern und dem Leben an sich

Ich möchte an dieser Stelle gerne ein Projekt vorstellen, das mir sehr am Herzen liegt. Wir sind durch die sogenannten Doku-Soaps zu Voyeuren am Leben anderer geworden. Doch was wir dort sehen, hat mit dem Leben der Protagonisten ebenso wenig zu tun, wie das Leben von „wilden“ Tieren im Zoo mit der Freiheit der Serengeti.

Auch die Angelegenheit, von der ich erzähle, hat etwas mit Beobachtung zu tun. Diesmal jedocWeißkopf-Seeadlerh naturnah – mit allem, was dazu gehört. Decorah, ein kleiner Ort in Iowa, ist der Schauplatz einer der spannendsten Geschichten, die ich kenne: dem Raptor Resource Project. Dabei wird weder etwas gestellt, noch verändert. Das, was man sehen kann, findet genauso statt. Es gibt keine Schnitte oder Verzögerungen. Es wird weder eingegriffen, noch weggelassen. Die Helden sind Weißkopf-Seeadler.

Vor einigen Jahren haben die Aktiven des Raptor Resource Projects eine Kamera in der Nähe eines Adlernests angebracht. Via Live-Stream überträgt dies Bilder ins Internet. Am Anfang jeden Jahres beginnt ein Paar Weißkopf-Seeadler das Nest in Ordnung zu bringen. Neue Äste werden angeschleppt und die Polsterung verstärkt. So ein Nest, das mehrere Brutperioden hinter sich hat, kann durchaus 50 Kilo schwer werden. Ende Februar beginnt das Weibchen mit der Eiablage. Im vergangenen Jahr waren es drei Stück. Über Monate hinweg konnte ich verfolgen, wie erst die Küken ausschlüpften, wuchsen, flügge wurden und dann irgendwann das Nest verließen. Ich habe beobachtet, wie die Adler-Eltern Fische  brachten, oder Teile von Kaninchen. Mir blieb die Luft weg, als eines der Adlerkinder beinahe aus dem Nest geschleudert wurde. Eine halbe Stunde sah ich zu, wie es sich mühsam wieder zur Mitte des Nestes hinarbeitete. Ich fand es wunderschön, wie sorgsam die Eltern abends ihre Kinder unters Federkleid schoben und sie sicher über die Nacht brachten.

Das alles ist sehr spannend. Ob es für alle ein gutes Ende nimmt, ist völlig offen – jedes Jahr aufs Neue. Derzeit wird im Adlerhorst viel aufgeräumt. Ich denke, bald ist es wieder soweit. Die Zeit fürs Eierlegen naht. Wer auch Lust hat, der Natur ein wenig zuzusehen, dem sei dieser Link empfohlen.

http://www.farmyou.com/falcon_cams/index.html

Von der Leistungs- zur Marketingesellschaft

Die Leistung macht’s. Sie ist der Gradmesser für unseren Platz im Leben. Wer viel leistet, der bringt es früher oder später zu einem adäquaten Posten. Leistung bedeutet Gerechtigkeit. Denn nur derjenige, der sich mit ganzer Schaffenskraft ins Zeug legt, verdient es, nach oben zu kommen. Marketinggesellschaft

Doch stimmt das überhaupt noch? Sind wir nicht längst abgekommen von der Bereitschaft, uns anzustrengen? Anders gefragt: Geht es nicht mehr länger um Leistung, sondern vielmehr darum, sich bestmöglich zu verkaufen?

Ich glaube, in der letzen Zeit hat ein grundlegender Wandel stattgefunden. Wir planen unsere Zukunft wie Unternehmer. Dazu gehört auch eine gute Portion Marketing. Den richtigen Job finden wir nicht aufgrund unserer Fähigkeiten – zumindest nicht in erster Linie. Es kommt auf die entsprechende Präsentation unserer Unterlagen und unserer eigenen Person beim Vorstellungsgespräch an. Die beste Selbstdarstellung überzeugt. Das hat auch das Heer an Coaches und Trainern erkannt. Bei ihnen lernen wir richtiges Sitzen im Gespräch, an welchen Platz das Foto im Lebenslauf am optimalsten klebt und natürlich wo unsere Stärken sind.

Als ich vor ein paar Jahren auf Jobsuche war, besuchte ich ebenfalls ein Seminar. Dort wurde dann ernsthaft darüber diskutiert, welche Farbe der Bewerbungsmappe die größten Chancen hätte.

Es stellt sich mir die Frage, ob wir auf diese Weise zu einer Gesellschaft von Blendern mutieren. Ich ziehe es vor, dem Leistungsgedanken Raum zu geben. Möge der Bessere gewinnen….

Endlich das richtige Layout

Es ging ein bisschen bunt zu in den letzten Tagen. Mein Blog veränderte sein Aussehen beinahe täglich. Immer wenn ich ein Template gefunden hatte, das mir benutzerfreundlich erschien, kamen Hinweise, dass es zu hell, zu unleserlich oder zu wenig strukturiert sei.

Das nehme ich mir zu Herzen. Schließlich möchte ich über diesen Blog auch in Kontakt mit den Lesern treten. Schlecht möglich, wenn es an eben diesen mangelt. Darum mein herzlicher Dank an die, die mir vor allem über Twitter ein stetes Feedback gegeben haben. Ich denke jetzt habe ich den größtmöglichen Konsens zwischen Anspruch und Machbarkeit gefunden. Darum bleibt dieses Layout erst einmal bestehen. Ich danke ganz herzlich allen freundlichen Ratgebern und Interessierten.

Facebook adieu

Es ist soweit, mein deaktivierter Facebook-Account sollte nun eigentlich gelöscht sein. Natürlich habe ich Zweifel, ob tatsächlich alle Daten ins Nirwana verschwunden sind. So recht mag ich nicht daran glauben. Schließlich gibt es bereits diverse Berichte in diversen Publikationen, die diese Zweifel nähren. Nun gut. Da ich nie exzessive Facebook-Userin war, darf Mark Zuckerberg die Fotos meines Hundes gerne an seine Kühlschranktüre kleben. Falls er wissen will, wo ich schon war auf der Welt….bitte schön. Es sei vergönnt.

Die Gründe für mein Magengrummeln bei Gedanken an Facebook lagen an anderer Stelle. Nicht das, was ich öffentlich (unter Einhaltung aller Privatsphären-Einstellungen) verkündet habe, macht mir zu schaffen, sondern vielmehr das, was ich für mich behalten habe.

Da gab es vor drei Jahren in meinem Hause eine Ausstellung mit Bildern einer Künstlerfreundin. Dazu engagierte ich zwei hervorragende Musiker von der hiesigen Musikhochschule. Exzellent, ungewöhnlich, toll. In der Vorbereitung dieses Abends wechselte die eine oder andere Mail zwischen mir und dem Ansprechpartner des Duos. Da ich immer nur auf die Post antwortete, fand sich erwähnter Musiker 1 nie in meinem Adressbuch wieder.

In den letzten Wochen bekam ich als Freundschaftsvorschläge immer wieder eben diesen Musiker angezeigt. Ich neige für gewöhnlich nicht an Verfolgungswahn. Aber es gibt mir zu denken, über welche Kanäle solche Verbindungen geschaffen werden. Zufall? Das glaube im Internet wer will. Mir rücken schlicht Dinge zu nah, die ich so nicht haben will.

Ich bin ein selbstbestimmter Mensch, der entscheiden möchte, was irgendwo von fremden Menschen gespeichert wird. Das mag ein frommer Wunsch sein, aber das Meinige trage ich dazu bei. Die Sache mit dem Musiker, der wahrscheinlich gar nicht weiß, dass er angepriesen wird, so wie ich nicht weiß, wo mein Bild als Freundschaftsvorschlag auftaucht, empfinde ich als symptomatisch. Ich brauche das nicht.  Meine sozialen Kontakte laufen auf anderen Schienen.

Das Social Net hat mit sozial anscheinend genau soviel zu tun, wie der Zironenfalter mit dem Falten von Zitronen.

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